GLP-1: was das Darmhormon steuert und wie GLP-1-Analoga wirken

GLP-1, ausgeschrieben Glucagon-like Peptide-1, ist ein körpereigenes Hormon aus dem Darm, das an der Regulierung von Blutzucker und Appetit beteiligt ist. Arzneimittel, die seine Wirkung nachahmen, werden bei Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsregulierung eingesetzt. Dieser Ratgeber erklärt den Mechanismus, warum die Medikamente anders gebaut sind als das natürliche Hormon und worin sich die zugelassenen Präparate unterscheiden.

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Was ist GLP-1?

GLP-1 gehört zu den Darmhormonen, die den Stoffwechsel mitsteuern. Die Fachinformation von Rybelsus beschreibt es als physiologisches Hormon mit mehreren Aufgaben bei der Regulierung von Blutzucker und Appetit sowie im Herz-Kreislauf-System. Seine Rezeptoren sitzen in der Bauchspeicheldrüse und im Gehirn, außerdem im Herzen, in den Gefäßen, im Immunsystem und in den Nieren.

An der Bauchspeicheldrüse wirkt GLP-1 abhängig vom Blutzucker. Ist der Zucker hoch, wird mehr Insulin und weniger Glukagon ausgeschüttet; während einer Unterzuckerung drosselt Semaglutid die Insulinausschüttung, ohne die Glukagonausschüttung zu hemmen. Schwere Unterzuckerungen traten in den Studien mit Rybelsus vor allem in Kombination mit Insulin oder einem Sulfonylharnstoff auf. Im Gehirn trägt das Hormon zur Sättigung bei. Semaglutid verzögert außerdem leicht die Magenentleerung in der ersten Phase nach einer Mahlzeit, sodass Zucker langsamer ins Blut gelangt.

Vom Hormon zum Medikament: GLP-1-Analoga

Das körpereigene GLP-1 eignet sich nicht als Arzneimittel, weil es kaum Zeit hat zu wirken. Laut Fachinformation von Trulicity liegt seine Halbwertszeit bei 1,5 bis 2 Minuten, weil das Enzym DPP-4 es abbaut und die Nieren es ausscheiden. GLP-1-Analoga sind deshalb gezielt veränderte Moleküle: Semaglutid stimmt zu 94 Prozent mit dem menschlichen Hormon überein, Liraglutid zu 97 Prozent und Dulaglutid zu etwa 90 Prozent. Semaglutid ist im Blut zu mehr als 99 Prozent an Plasmaproteine gebunden; Dulaglutid ist an ein Antikörperfragment gekoppelt, gegen den Abbau durch DPP-4 geschützt und wird langsamer über die Nieren ausgeschieden.

Das Ergebnis sind Wirkstoffe, die Stunden bis Tage im Körper bleiben und deshalb täglich oder einmal pro Woche angewendet werden können. Die Werte stammen aus den Fachinformationen der jeweiligen Präparate.

WirkstoffHalbwertszeit laut FachinformationAnwendung
körpereigenes GLP-11,5 bis 2 Minutennicht als Arzneimittel verwendbar
Liraglutidetwa 13 StundenInjektion einmal täglich
Dulaglutid4,7 TageInjektion einmal wöchentlich
Tirzepatidetwa 5 TageInjektion einmal wöchentlich
Semaglutidetwa 1 WocheInjektion einmal wöchentlich oder Tablette einmal täglich

Gliptine: das eigene GLP-1 länger wirken lassen

Einen anderen Weg gehen die DPP-4-Hemmer, auch Gliptine genannt, etwa Sitagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin und Linagliptin. Sie ahmen GLP-1 nicht nach, sondern bremsen das Enzym, das das körpereigene Darmhormon abbaut, und senken so den Blutzucker. Sie werden als Tabletten eingenommen und können laut öffentlichem Gesundheitsportal zusätzlich zu Metformin verordnet werden, wenn dessen Wirkung allein nicht ausreicht.

GLP-1-Analoga wirken nach derselben Quelle ähnlich, aber etwas stärker als Gliptine. Sie können zusätzlich helfen, das Gewicht zu senken, weil sie ein Sättigungsgefühl auslösen, und haben günstige Effekte auf atherosklerotische Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer ein Gliptin einnimmt, wendet also kein GLP-1-Präparat an, auch wenn beide Gruppen am selben Hormonsystem ansetzen.

Tirzepatid: GIP und GLP-1 gemeinsam

GIP, das glukoseabhängige insulinotrope Polypeptid, ist ein zweites Darmhormon mit ähnlicher Aufgabe. Tirzepatid in Mounjaro aktiviert beide Rezeptoren. Laut Fachinformation ähnelt seine Aktivität am GIP-Rezeptor der des körpereigenen GIP, während sie am GLP-1-Rezeptor geringer ist als die des natürlichen GLP-1. Beide Rezeptoren finden sich in der Bauchspeicheldrüse und in Hirnregionen, die den Appetit regeln; GIP-Rezeptoren sitzen zusätzlich auf Fettzellen, und in Laborversuchen mit menschlichen Fettzellen beeinflusste Tirzepatid deren Glukose- und Fettstoffwechsel.

Für die Praxis heißt das: Tirzepatid ist kein stärkeres GLP-1, sondern ein Wirkstoff mit doppeltem Angriffspunkt, zugelassen bei Typ-2-Diabetes und zum Gewichtsmanagement. Dosierung, Studienergebnisse und den KwikPen beschreibt die Seite Mounjaro.

Warum es GLP-1-Präparate als Spritze und als Tablette gibt

GLP-1-Analoga sind Peptide, also aus Aminosäuren aufgebaute Moleküle, die über den Mund aufgenommen größtenteils abgebaut würden, bevor sie wirken. Deshalb werden die meisten unter die Haut gespritzt. Für Semaglutid gibt es zusätzlich Tabletten, in denen der Hilfsstoff Natriumsalcaprozat die Aufnahme im Magen ermöglicht. Selbst damit gelangen laut Fachinformation nur etwa 1 bis 2 Prozent des Wirkstoffs ins Blut, und die Aufnahme schwankt stark. Darum enthalten Tabletten deutlich mehr Milligramm als die Spritze, und darum gelten strenge Einnahmeregeln: nüchtern, mit wenig Wasser und mit 30 Minuten Wartezeit. Wie das im Alltag aussieht, erklärt die Seite Rybelsus.

GLP-1-Präparate in Österreich und ihre Zulassung

Alle Präparate sind rezeptpflichtig. Ob ein Präparat bei Typ-2-Diabetes oder zur Gewichtsregulierung eingesetzt werden darf, ergibt sich aus seiner Zulassung, nicht aus dem Wirkstoff. Für die Gewichtsregulierung gelten bei Erwachsenen ein BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingter Begleiterkrankung als Voraussetzung, jeweils zusätzlich zu kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung. Was die einzelnen Abnehmspritzen unterscheidet, erklären die Seite Abnehmspritze und der Vergleich von Mounjaro, Wegovy und Ozempic.

Ein Arzneimittel mit dem Namen „GLP-1“ gibt es nicht. Das BASG warnt vor Produkten, die unter dieser Bezeichnung als Ampullen, Fläschchen oder Pens online angeboten werden, oft mit falschen Angaben zur Zusammensetzung und missbräuchlich verwendeten Behördenlogos. Es stuft sie als illegale Arzneimittel ein; ihr Import ist strafbar.

PräparatWirkstoffZugelassen fürAnwendung
OzempicSemaglutidTyp-2-DiabetesInjektion einmal wöchentlich
RybelsusSemaglutidTyp-2-DiabetesTablette einmal täglich
WegovySemaglutidGewichtsregulierungInjektion einmal wöchentlich oder Tablette einmal täglich
SaxendaLiraglutidGewichtsregulierungInjektion einmal täglich
TrulicityDulaglutidTyp-2-DiabetesInjektion einmal wöchentlich
MounjaroTirzepatid (GIP und GLP-1)Typ-2-Diabetes und GewichtsmanagementInjektion einmal wöchentlich

Was GLP-1-Analoga bei Typ-2-Diabetes leisten

Bei Typ-2-Diabetes senken GLP-1-Analoga den Blutzucker nüchtern und nach dem Essen. In den Untersuchungen, die die Fachinformation von Rybelsus beschreibt, lag der Nüchternblutzucker nach zwölf Wochen relativ um 22 Prozent niedriger als unter Placebo, der Blutzucker nach dem Essen um 29 Prozent. In der Behandlung kommen sie meist nicht als erstes Medikament zum Einsatz; die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten laut Gesundheitsportal zuerst Metformin.

Über den Blutzucker hinaus wurden Herz-Kreislauf-Ereignisse untersucht. In der Studie SOUL erhielten 9650 Menschen mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung zusätzlich zur Standardbehandlung täglich Semaglutid als Tablette oder Placebo. Ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aus Herz-Kreislauf-Ursache trat bei 12,0 Prozent unter Semaglutid und 13,8 Prozent unter Placebo auf, eine relative Risikosenkung um 14 Prozent. Solche Ergebnisse gelten für die untersuchte Gruppe und sind kein Versprechen für den Einzelfall.

GLP-1 und Körpergewicht

Für die Gewichtsabnahme ist die Wirkung im Gehirn entscheidend. Laut Fachinformation von Saxenda ist GLP-1 ein physiologischer Regulator von Appetit und Nahrungsaufnahme; Liraglutid steigert das Völle- und Sättigungsgefühl und verringert Hunger und den Wunsch zu essen, erhöht aber nicht den Energieverbrauch. Unter Liraglutid wird also abgenommen, weil weniger gegessen wird, nicht weil der Körper mehr verbrennt.

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens hängt der Erfolg auch von Ernährung und Bewegung ab, und genau so wurden die Präparate in den Zulassungsstudien geprüft. Zweitens hält die Wirkung nur so lange an wie die Behandlung: In den Studien mit Semaglutid und Tirzepatid nahmen jene, die auf Placebo umgestellt wurden, wieder deutlich zu. Eine Behandlung zur Gewichtsregulierung ist deshalb langfristig angelegt.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen, vor allem zu Beginn und nach jeder Dosissteigerung, weshalb die meisten Präparate einschleichend dosiert werden. Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall kann die Nierenfunktion verschlechtern. Die Fachinformationen beschreiben außerdem akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Gallensteine; bei Verdacht auf eine Pankreatitis wird das Präparat abgesetzt, und starke, anhaltende Bauchschmerzen sind ein Grund, umgehend ärztliche Hilfe zu holen.

Weitere Punkte: Zusammen mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Bei diabetischer Netzhauterkrankung sind engmaschige Kontrollen nötig. Vor einer Vollnarkose oder tiefen Sedierung sollte das Behandlungsteam wissen, dass ein GLP-1-Präparat angewendet wird, weil der Magen langsamer leer wird. In der Schwangerschaft werden diese Arzneimittel nicht angewendet; Semaglutid wird mindestens zwei Monate, Tirzepatid mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt.

Ärztliche Beurteilung für eine GLP-1-Behandlung

Für den Beginn oder die Fortführung einer GLP-1-Behandlung zur Gewichtsregulierung gibt es die ärztliche Beurteilung im Fragebogen zur Adipositas-Behandlung. Sie füllen einen medizinischen Fragebogen mit Gewicht, Körpergröße, Diagnosen und Dauermedikamenten aus; ein approbierter Arzt prüft die Angaben schriftlich und fordert bei Bedarf Unterlagen nach. Der Arzt kann auch eine Untersuchung in einer Ordination empfehlen; einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht. Bei positiver Beurteilung erhalten Sie ein Privatrezept als PDF, das Sie innerhalb eines Monats in einer Apotheke vorlegen und dort selbst bezahlen.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Beurteilung Ihres Falls kann dieser Text nicht ersetzen.

Was ist GLP-1 einfach erklärt?

GLP-1 ist ein Hormon aus dem Darm. Es sorgt dafür, dass bei hohem Blutzucker mehr Insulin ausgeschüttet wird, verlangsamt die Magenentleerung und trägt im Gehirn zum Sättigungsgefühl bei. Medikamente, die dieses Hormon nachahmen, heißen GLP-1-Rezeptoragonisten oder GLP-1-Analoga.

Was ist der Unterschied zwischen GLP-1 und einem GLP-1-Analogon?

Das körpereigene GLP-1 hat eine Halbwertszeit von nur 1,5 bis 2 Minuten. Ein GLP-1-Analogon ist ein verändertes Molekül, das an denselben Rezeptor bindet, aber vor dem Abbau geschützt ist und Stunden bis Tage wirkt. Erst dadurch ist eine tägliche oder wöchentliche Anwendung möglich.

Gibt es GLP-1 als Tablette?

Ja, Semaglutid gibt es als Tablette: Rybelsus ist für Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy Tabletten sind zur Gewichtsregulierung zugelassen. Beide werden täglich nüchtern eingenommen. Alle anderen GLP-1-Präparate werden gespritzt.

Sind Gliptine dasselbe wie GLP-1-Spritzen?

Nein. Gliptine sind Tabletten, die den Abbau des körpereigenen Darmhormons bremsen. GLP-1-Analoga ahmen das Hormon selbst nach und wirken laut Gesundheitsportal etwas stärker; außerdem können sie das Gewicht senken.

Wirkt GLP-1 auch ohne Diabetes?

Ja, auf Appetit und Sättigung wirken die Präparate auch ohne Diabetes. Für die Gewichtsregulierung sind Wegovy, Saxenda und Mounjaro bei Erwachsenen mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung zugelassen. Bei normalem Körpergewicht besteht kein zugelassenes Anwendungsgebiet.

Kann man GLP-1 im Internet kaufen?

Nicht legal. GLP-1-Präparate sind rezeptpflichtig, und rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen in Österreich nicht online verkauft werden. Produkte mit der Bezeichnung „GLP-1“ aus dem Internet stuft das BASG als illegale Arzneimittel ein, die keinen oder einen anderen Wirkstoff enthalten können.